Ein Biodiversitätskonzept für das Siedlungsgebiet schafft die fachliche Grundlage, um die biologische Vielfalt langfristig zu erhalten und gezielt zu fördern. Es verbindet ökologische Qualität mit Nutzungsansprüchen von Gemeinden, Eigentümer:innen und der Bevölkerung und trägt zu attraktiven, klimaresilienten und lebenswerten Siedlungsräumen bei.

Ziel des Biodiversitätskonzepts
- Förderung standorttypischer Tier- und Pflanzenarten im Siedlungsraum
- Aufwertung und ökologische Optimierung bestehender Grün- und Freiflächen
- Vernetzung von Lebensräumen innerhalb des Siedlungsgebiets sowie mit angrenzenden Landschaftsräumen (Vernetzung der ökologischen Infrastruktur).
- Schaffung einer fachlichen Entscheidungsgrundlage für Planung, Pflege und Unterhalt
Ablauf zur Erarbeitung eines Biodiversitätskonzepts
1. Grundlagen und Zieldefinition
Zu Beginn werden gemeinsam mit der Gemeinde oder Auftraggeberschaft die Zielsetzungen des Biodiversitätskonzepts festgelegt. Dabei werden lokale Rahmenbedingungen, planerische Vorgaben sowie bestehende Strategien (z. B. Klima-, Freiraum- oder Landschaftskonzepte) berücksichtigt.
2. Aufbau eines Grünflächenkatasters (falls nicht vorhanden)
Sofern noch kein aktuelles Grünflächenkataster besteht, wird empfohlen, dieses im Rahmen des Biodiversitätskonzepts aufzubauen. Das Grünflächenkataster bildet eine zentrale Arbeitsgrundlage und umfasst:
- Erfassung aller öffentlichen und – sofern möglich – privaten Grün- und Freiflächen
- Kategorisierung der Flächen (z. B. Ruderalflächen, Staudenmischpflanzungen, Alleen, Blumenwiese, etc.)
- Erhebung relevanter Basisinformationen wie Flächengrösse, Nutzung, Pflegeintensität und ökologische Qualität
Das Kataster ermöglicht eine systematische Bewertung und dient auch langfristig als Instrument für Planung, Pflege und Monitoring.
3. Analyse von Ziel- und Leitarten
Auf Basis der vorhandenen Lebensräume wird analysiert, welche Ziel- und Leitarten im Siedlungsgebiet sowie an dessen Rändern gefördert werden können. Berücksichtigt werden dabei:
- regional vorkommende und gefährdete Arten (Zielarten)
- Arten mit grossem Beliebtheit- und Bekanntheitsgrad (Leitarten)
- Arten, die gut an Siedlungsräume angepasst sind oder dort gezielt gefördert werden können
Die Analyse erfolgt unter Einbezug bestehender Daten, Fachliteratur sowie – falls sinnvoll ergänzender Feldaufnahmen.
4. Bewertung der bestehenden Flächen
Die vorhandenen Grün- und Freiflächen werden hinsichtlich ihrer Eignung für die definierten Ziel- und Leitarten bewertet. Dabei werden unter anderem folgende Aspekte betrachtet:
- Strukturvielfalt und Habitatqualität
- Pflegezustand und Nutzung
- Entwicklungspotenziale durch einfache oder weitergehende Massnahmen
5. Entwicklung von Förder- und Aufwertungsmassnahmen
Auf Grundlage der Analyse werden konkrete Massnahmen zur Förderung der Biodiversität erarbeitet, zum Beispiel:
- Anpassung der Pflege (z. B. extensive Bewirtschaftung, gestaffelte Mahd)
- Anlage artenreicher Wiesen und Säume
- Strukturverbesserungen wie Totholz, Kleinstrukturen oder Gewässerrandaufwertungen
- Förderung naturnaher Bepflanzung mit einheimischen Arten
Die Massnahmen werden priorisiert und auf Umsetzbarkeit, Kosten und Pflegeaufwand abgestimmt.
6. Vernetzung der Flächen
Ein zentraler Bestandteil des Biodiversitätskonzepts ist die ökologische Vernetzung. Es wird aufgezeigt, wie:
- bestehende Grünflächen innerhalb des Siedlungsgebiets miteinander verbunden werden können
- lineare Elemente wie Strassenränder, Bachläufe oder Wegeverbindungen als Trittsteine und Korridore genutzt werden können
- Anbindungen an umliegende Flächen ausserhalb des Siedlungsgebiets (z. B. Ökoflächen in der Landwirtschaft, Wälder, Gewässerräume) hergestellt oder verbessert werden können
Ziel ist ein funktionales Biotopverbundsystem, das Wanderbewegungen und den genetischen Austausch von Arten ermöglicht. Kleine isolierte Population sind vielfach langfristig nicht überlebensfähig.

Gerne steht Ihnen Martin Stieger für ein unverbindliches Beratungsgespräch zur Verfügung.
Weiterführende Links:
Ökologische Infrastruktur – Räume für die Biodiversität